Donnerstag, 6. August 2015

Weltstillwoche: Unsere Stillgeschichte

Eine schöne Weltstillwoche allerseits! Welch wunderbarer Anlass, einmal unsere Stillgeschichte mit euch allen zu teilen :)

Nach den Erzählungen derer, die im Kreissaal mit dabei waren, habe ich Tony bereits gestillt, als ich narkosebedingt noch nicht ganz da war. Das allererste Mal andocken fiel ihm schwer, denn er hatte so viel Brust im Gesicht, dass das Finden des Nippels schier unmöglich schien und als er ihn gefunden hatte, wusste er nicht wirklich, was er damit sollte. Als also das erste Mal anlegen nicht so klappte wie gewünscht, rief ich: "Vielleicht kann ich auch gar nicht stillen!", doch die Hebamme sagte nur "JEDE FRAU KANN STILLEN!" Und so auch ich, wie sich nach ein paar Minuten doch zeigte.

Die ersten Wochen war Andocken noch immer nicht wirklich Tonys Lieblingsbeschäftigung. Er war ein sehr unruhiger, zappeliger Trinker und wenn er denn den Nippel mal gefunden hatte, wurde der sofort wieder ausgespuckt und erneut wie wild an mir herumgesucht. Er brauchte noch immer eine Weile, um zu verstehen, dass er für sein Essen von nun an etwas tun musste. In dieser Zeit hatte er ebenfalls seine Lieblingsbrust. Er würde nur links trinken und ich würde Stunden damit verbringen, ihn rechts anzulegen, damit er diese Brust auch entleert.
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass Stillen am Anfang komplett schmerzlos ist. Beide Brüste waren schwer, empfindlich und spannten, rechts blutete sogar die Brustwarze und jedes Mal, wenn Tony dort andockte, brannte es wie Feuer. In dieser Zeit dachte ich ernsthaft: "Das tut so weh, ich kann das nicht mehr, ich stille jetzt ab!"  - doch solche Gedanken verflogen sofort wieder, sobald Tony mir satt und zufrieden an der Brust einnickte.

Mit jeder Woche fiel das Stillen leichter und nun sind wir schon 6 Monate lang dabei und planen nicht, in naher Zukunft aufzuhören. Natürlich fangen wir trotzdem mit der Beikost an, da Tonys Nährstoffbedarf mit 6 Monaten deutlich über dem liegt, was ich ihm geben kann, wenn ich nicht 24/7 füttern will, und da er nächstes Jahr in die Krippe geht. Bin ich nervös? In gewisser Weise ja, ich habe Angst, dass er sich in null komma nichts selbst abstillt, da er so verrückt nach allem Essbaren ist. Wenn wir jetzt abstillen müssten, wäre ich sehr unglücklich, denn erst kürzlich habe ich gemerkt, wie wenig ich unsere gemeinsamen Stillmomente gewürdigt und genossen habe. Ich brauche mehr Zeit, um dies noch ausreichend zu tun. Das Stillen gibt mir so viel von dem zurück, was man mir unter Tonys Geburt genommen hat. Es heilt mich. Und ich hoffe, dass Tony diese besondere Nähe und Magie auch fühlt und wir noch eine ganze Weile weiterstillen können, bis einer von uns nicht mehr möchte.

Photo by Anette M.

Eure Viivi

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